Zugegeben – ich kenne nur ein Probekapitel aus dem Buch „Smarter than you think“. Also empfehle ich sicherheitshalber erst mal nur den Autor: Clive Thompson, Technologie-Journalist und Blogger. Denn ich habe ihn als Gast im Internetformat „Das Digitale Quartett“ gesehen und genossen. Thompson wohnt auf der Sonnenseite des Internetz. Er preist die technischen Chancen des digitalen Medienwandels an. Allerdings ohne dabei gleich das menschliche Maß aus dem Auge zu verlieren. [Weiterlesen…]
Journalismus und Werbung – ein Grenzkonflikt
Unterschiede sind wichtig. Manchmal kommt es wirklich auf sie an. Sie sollten in keinem geordneten Haushalt fehlen. Zum Beispiel das Trennungsgebot zwischen Journalismus und Werbung, also zwischen Vermittlung und Vermarktung. Gerade jetzt wollen bedeutende Kräfte in den Medien diesen Unterschied verwischen. Mit Wort-Wedeln wie „Content- und Handelskonvergenz“. Was für ein schmutziges Geschäft. Wir sollten es vereiteln!
Diss und Hass
Ist eine medial inszenierte Hinrichtung noch ein künstlerischer oder schon krimineller Akt? Am Freitag hat Bushido sein Video „Leben und Tod des Künstlers Kenneth Glöckler“ auf You Tube eingestellt und damit schon am Montag die Vier-Millionen-Marke geknackt. Vordergründig geht es um Ehre, Freundschaft und den rechten Hip Hop beim Streit der Rapper Bushido und Kay One. So ein „dissen“ und hassen gilt als legitimes Mittel und vollzieht sich online via Social Media vor einem gewaltigen Publikum. Für den Zuschauer beginnt der Clip ganz konventionell mit einem Werbe-Intro. Aber danach stockt mir schon bald der bürgerliche Mittelschicht-Atem. Es geht um mehr.
Gefühlte Qualität – Kommentarkultur im Kartenhaus
Das Netz, es erscheint uns so aufregend wie eine Wundertüte. Und manchmal auch ähnlich enttäuschend. Nehmen wir beispielsweise die Diskussion um das Fernsehen der Zukunft. Es sieht aus wie die Serie „House of Cards“ mit Kevin Spacey und kommt von Internet-Streaming-Diensten wie Netflix. So ruft es seit Wochen jeder Branchen-Trendscout ins Debatten-All. Ernüchternd dagegen die Reaktion des deutschen Publikums. Auf Sat 1 erreichte das Kartenhaus gestern wieder nur bescheidene Marktanteile (6,5 Prozent bei den 14-49-Jährigen). Die alte Tante Tatort holte wiederum enorme 20 Prozent in der jüngeren Zielgruppe. Aber reden wir nicht über Quoten, reden wir über Qualität – über die Qualität von Diskussionen über Qualität, um genau zu sein.
Google Canal-View – Venedig Update
Seit heute schaut die Welt ganz anders auf diese Stadt: Google Street View öffnet uns einen gestochen scharfen Blick auf Campi und Canali, auf Riva und Rialto, auf Dogenpalast und Dogana. Ob wir nun in Bottrop oder in Bangkok vor dem Screen sitzen, wir können uns durch die Gassen der Stadt bewegen, gar zu Mausklick-Gondolieres werden. Die digitale Vermessung der Welt hat einen neuen symbolischen Punkt erreicht. Faszinierend und erschreckend zugleich – ich weiß nur noch nicht, ob es ein Höhepunkt oder ein Tiefpunkt ist.
Bi,Tri, Multi, Cross, Trans – Hauptsache Medial
Auch der allgegenwärtige Medienwandel hat mal klein angefangen, zumindest begrifflich. Was vor Jahren ganz harmlos mit „bimedial“ begann, damals als Zusammenrücken von Fernsehen und Hörfunk, hat sich inzwischen ins „Transmediale“ ausgewachsen. Was das sein könnte, haben einige Digital Natives des Bayerischen Rundfunks ganz anschaulich beschrieben. Interessant gemacht und hiermit weiterempfohlen, verbunden mit der bangen Frage, was wohl als nächstes kommt: „Postmedial“?
Das Wesen von Thesen
Wohl alles hat seine guten und seine schlechten Seiten: Der Alkohol, das Essen, die Frauen, die Männer, das Leben. Vor allem aber: Das Aufstellen von Thesen zur Zukunft des Journalismus. Weil es gerade derzeit so viele davon gibt,lohnt sich vielleicht eine Umkehr der Blickrichtung. Betrachten wir einmal das Wesen von Thesen. Und lernen wir Gelassenheit.
Handygate – Fortschritt im Kreisverkehr
Machen wir Fortschritte oder drehen wir uns nur schneller im Kreis? Das frage ich mich immer, wenn mir bei Debatten schwindelig wird. Wie jetzt gerade wieder beim Handygate. Zusammen mit den ersten Herbststürmen wirbelt noch mal der ganze große Datentauschangriff der NSA unsere Medienwelt auf. Doch in Wahrheit kommt die Diskussion nicht vom Fleck. Es fehlt am Mut, den entscheidenden Schritt zu tun. Am Mut, sich zu fragen, ob wir bereits zu weit gegangen sind.
Siegen lernen ? Zum Vorbild USA
In meiner kleinen Linkliste auf dieser Seite habe ich auch „120 Sekunden“ von Martin Giesler aufgeführt. Der ZDF-Journalist betreibt einen privaten Blog, in dem er ein paar Bretter über den tiefen Graben zwischen der alten und der neuen Medienwelt verlegt. Besonders anregend fand ich seinen Post zu Entwicklungen in den USA, „die die Grenzen des Journalismus neu verhandeln“.
Kleine Tipps für die Große Koalition
Eine „Unterarbeitsgruppe“ zur „Digitalen Agenda“ also – auch bescheidenen Anfängen wohnt sicher der berühmte Zauber inne. An guten Ratschlägen, Vorsätzen und vielleicht auch an Hokuspokus wird es den Unterhändlern der Großen Koalition nicht fehlen. Deshalb mache ich es kurz.
Viel wäre schon von vornherein erreicht, wenn sich die neue Regierung nicht allzu bescheidene Ziele setzen würde. Wenn sie wichtige Schlüsselbegriffe großzügiger auslegt, als es ein zunehmend technologisch und ökonomisch geprägtes Vokabular nahelegt. Wenn die Große Koalition bei der künftigen Medienordnung, pathetisch gesprochen, menschliches Maß berücksichtigt.
Die folgende Liste der Sensibilitäten ist nicht vollständig, aber sie ist mir wichtig:
Gesellschaft bedeutet mehr als Community
Integration bedeutet mehr als Vernetzung
Vertrauen bedeutet mehr als Kontrolle
Bildung bedeutet mehr als Information
Aufklärung bedeutet mehr als Transparenz
Entwicklung bedeutet mehr als Wachstum
Freundschaft ist mehr als ein Klick.
Amen und viel Erfolg!








