Wut und Wille – Zwischen-Generation

Gerätegenerationen (Foto: Wilfredo CC0 1.0)

Gerätegenerationen (Foto: Wilfredo CC0 1.0)

Vor einer Woche, also vor einer Ewigkeit, habe ich einen Begriff aufgeschnappt und halte ihn jetzt immer noch fest: „Zwischen-Generation“. Gelesen bei Richard Gutjahr, einer Art Leitmedium im journalistischen Zukunfts-Diskurs. Mit seiner Begriffs-Schöpfung liefert er die gelungene Beschreibung einer vorläufigen Dauer-Befindlichkeit: Digitaler Medienwandel ist auch ein Erbstreit.

„Wir sind die Zwischen-Generation“ lautet also eine der Thesen, die Blogger Gutjahr in seinem Post aufstellt, der die Frage beantworten soll: „Brauchen wir noch TV-Sender?“. Darin geht es auch um Schlussfolgerungen aus seiner Arbeit als Berater in diversen Medienunternehmen. Speaker wie er werden unter anderem für gezielte Tritte ins Hinterteil einer lahmen Branche gebucht.

Dieser Rolle wird Gutjahr in seiner listiclehaften Aufzählung zumindest gerecht. Vehement beklagt er einmal mehr den Innovationsstau in der etablierten Medienszene, vor allem bei den Entscheidern. Kurz zusammengefasst: Eier haben, endlich die breiten Ärsche von den Besitzständen erheben. Chancen des Online-Zeitalters nutzen statt Zögern, Zaudern und Zappeln.

Mein erster Impuls war, aus dem eigenen Erfahrungsschatz einige Relativierungen anzumahnen. Oder mich ein bisschen beleidigt zu fühlen, weil es bei mir zum Vordenker noch nicht reicht und Nachdenklichkeit keine Tugend mehr ist. Skepsis und Bedenken schon gar nicht. Eine Prise Altersbitterkeit angesichts so viel jugendlichen Schwunges.

Das wäre jedoch das alte Muster der „Diskussion – Netz-Optimisten gegen Untergangs-Propheten“. Diese plakativ-destruktive Ebene  müssen wir langsam überwinden. Begriffe wie „Zwischen-Generation“ können dabei durchaus helfen.

Weil sie das Bewusstsein dafür schärfen, dass

  1. Effekte nachhaltigen Wandels gut mit Generationskonzepten beschrieben werden können.
  2. der Medienwandel längst zum dauernden Schwebe- und „Zwischen“-Zustand geworden ist.

Wutschreie gegen die angebliche Innovationsverweigerung der Altvorderen offenbaren die ewig gleiche Ungeduld und Unzufriedenheit von verhinderten Nachfolgern. Stets wird über das Erbe bereits gestritten, bevor es soweit ist. Um den miesen Zustand des Erbhofes beispielsweise, um die neuen biologisch-dynamischen Anbaumethoden. Beziehungsweise die ideologisch-digitalen Ausbaumoden. Dieser generationelle Aspekt blitzt in Debatten gelegentlich auf, kommt grundsätzlich aber eher zu kurz.

In diesem Konflikt bleibt  Zuspitzung notwendig. Für Unternehmensberater und Medien-Coaches sowieso Pflicht. Wer da gleich jeden klaren Gedanken sofort wieder relativiert, nimmt vermutlich viel Motivation aus dem Dialog heraus. Sich diesem Thema zu verweigern – „60 ist das neue 40“ – ist ebenfalls auf Dauer zwecklos.  Im Mediengeschäft wie im wahren Leben gilt: Mit nichts können Eltern ihre Kinder  mehr aufregen als mit diesem: „Du, ich verstehe Dich total und war mal genauso drauf  wie Du. Echt.“

Informatiker schreiben die Versionsgeschichten der Software. Was muss die neue Fassung können? Lässt sich die alte überhaupt weiterentwickeln? Stimmen die Hardware-Voraussetzungen noch? Gucken wir uns die andere Seite der Schnittstelle an, das lebende System Mensch. Wie viel Updates und Upgrades lassen sich dem alternden Körper und Verstand aufspielen? Wo wird es unverträglich, inkompatibel?  Es kann jedenfalls nicht nur um Geräte-Generationen gehen.

Ich habe dieses Blog als persönliche Chronik von Medienwandel aus angejahrter Perspektive gestartet. Erfahrung wurden dabei als „gereift“, nicht als „veraltet“ definiert. Darüber kann man durchaus streiten. Wird doch in der Digital-Diskussion gern vom „disruptiven Wandel“ gesprochen, von der „schöpferischen Zerstörung“ des Althergebrachten durch die neue Entwicklung. Technologen und Ökonomen treiben die Diskussionen gern auf diesen Punkt. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass diese herzlose Logik auch einen Generationenaspekt hat. Ein Konflikt, der zum „Bruch“ führen kann.

Deshalb werde ich hier eine Kategorien „Generationen“ einführen und beschreiben. Mal sehen. Wer dazu beitragen möchte, sei hiermit herzlich eingeladen.

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