Ob Ukraine-Krise oder GdL-Streik, Putin oder Weselsky, keine bedeutende öffentliche Debatte mehr, die nicht irgendwann zu einer heftigen Journalisten-Schelte „im Netz“ führt. Einseitig, steuernd oder gesteuert sei die veröffentlichte Meinung hierzulande, vermuten Blogger und Kommentatoren. Sicher, ein uralter Vorwurf. Aber die digitale Verstärkungsmaschine fordert unerbittlich Rechenschaft. Also will ich mich der Frage zu stellen: Lügen wir alle wie gedruckt?
!? Krautreporter am Start
Heute versuche ich mich kurz zu fassen. Weil das vermutlich sowieso manchmal besser ist, aber auch wegen der Fülle an Texten, die in der Branchen-Blase zum Thema Krautreporter kursieren. So viele Medienmenschen gucken derzeit auf dieses Modell eines schwarmfinanzierten Journalismus. Vermutlich sehen wir alle darin so etwas wie eine Arche Noah, in der alle publizistischen Werte – oder die wertvollsten Publizisten – durch die aufgewühlte digitale See in die vernetzte Zukunft geschippert werden.
Gatekeeper an der Schock-Schleuse
Betrachten wir es mal zynisch: Wenn heutzutage Journalismus schon nichts bringt, dann kann er ja vielleicht wenigstens etwas verhindern. Etwa: Schock-Bilder von Geköpften und Gequälten wegfiltern. Denn über die neuen digitalen Netzwege schleusen gut gedrillte Propaganda-Kämpfer große Mengen abstoßendsten Inhalts auf unsere Time-Lines bei Facebook oder Twitter. Die neue Blut-Flut schürt eine überraschende Sehnsucht nach einem journalistischen Rollenmodell alter Schule: Schleusenwärter (Gatekeeper).
Das Problem ist das Problem
Ich lasse es einfach mal raus: Aaargh. Denn mich ärgern solche Sätze: „Das Problem heißt nicht `Spiegel 3.0´ – das Problem heißt Wolfgang Büchner„. Alles beides falsch, womit ich mir kein Urteil im Spiegel-Hauskrach anmaße. Aber wir sollten nicht ständig Probleme und Lösung(sversuche) durcheinander diskutieren. Bloß weil es so einfach ist. Ist es nicht.
Carta – Aufbruch, Umbruch, Abbruch
Die digitale Revolution hat offenbar einen besonderen Appetit: Metaphorisch betrachtet, frisst sie nicht ihre Kinder, sondern eher ihre Mütter und Väter. Vera Bunse und Wolfgang Michal bildeten bis vor kurzem die erfahrene Redaktion des renommierten Debatten-Portals Carta.info. Nach ihrem Abschied im Streit bleibt der Eindruck: Journalismus „alter Schule“ hat erhebliche Schwierigkeiten, sich der neuen Medienwelt anzupassen. Ob nun bei Carta, beim Spiegel oder sonstwo.
Zum Beispiel Ritterhude. Eine Nachrichtenexplosion
Da sitzt du auf dem heimischen Sofa, siehst fern und hörst plötzlich einen dumpfem Knall, der nicht vom Krimi stammt. Gehst auf den Second Screen. Wirst im Netz fündig: In Ritterhude ist eine Industrieanlage explodiert. Journalismus just in Time-Line. Informativ und irritierend zugleich für mich ehemaligen Regionalreporter. Eine Homestory.
Jung zu naiv?
Ungewöhnlich – Ein Journalist, der bewusst ganz nah herangeht, distanziert sich auf einmal. Grimme-Online-Preisträger Tilo Jung wendet sich per Blogpost von seinem Interviewgast bei „Jung & Naiv“, Martin Lejeune, ab. Weil der die Hamas auch dann noch sehr gut versteht, wenn sie mutmaßliche Kollaborateure hinrichtet. Reift oder scheitert da gerade ein Stück Journalismus neuer Generation?
Medien.Macht.Kampf
Worte dieser Wochen: Macht. Kampf. Sie prägen die vielen täglichen Kriegsnachrichten und so manche Berichte von der Medienfront. Exemplarisch: Spiegel-Chefredakteurs Wolfgang Büchner ringt mit großen Teilen seiner Redaktion um die digitale Zukunft. Blut floss zwar nicht, aber Opfer wird es geben, strukturell und personell. Geht es in diesem modellhaften Kampf doch um einiges, nicht zuletzt um die Regeln im Spiel um die Macht im Journalismus.
Digitale Zivilcourage
Wir müssen reden. Übers Reden. Vielmehr: schreiben übers Schreiben. Mindestens dieses eine Mal noch. Denn die Aggression in der Kommunikation gehört derzeit zu den wichtigsten Themen des digitalen Wandels. In dieser Woche haben die Blogger Dirk von Gehlen und Jeff Jarvis mediale „Streitkultur“ eindringlich thematisiert. Das Problem drängt und die Lösung sind wir alle.
Mediale Behauptungskultur
Wir leben in einer Behauptungskultur
Den Gegenstand der Diskussion habe ich leider vergessen. Diesen einen Satz aber nicht: „Wir leben in einer Behauptungskultur.“ Leicht resigniert hatte ein Kollege ihn seinem Argument vorangestellt. Die Sitzung ist zwar länger her, aber das Wort „Behauptungskultur“ beschreibt unsere (Medien-) Welt besser denn je. Ist das schlimm? Vielleicht noch nicht. [Weiterlesen…]










