Medienkompetenz konkret: Das Dürfen

2014 ein freier Yücel (F: blu-news.org / CC BY SA 2.0)

2014 ein freier Yücel (F: blu-news.org / CC BY SA 2.0)

Schön, dass „Medienkompetenz“ inzwischen Begriffskarriere macht. Denn sie ist der Schlüssel zur Zukunft in der Informationsgesellschaft. Traurig und gefährlich, wenn sie beschnitten wird, wie gerade im Fall Deniz Yücel.

Gerade weil der Begriff so bedeutend und weitreichend ist, wirkt die Debatte um Medienkompetenz oft diffus und abstrakt. Vielleicht lässt sich das verbessern. In einer lockeren Serie von aktuellen Einwürfen will ich  das Thema hier konkret machen. Diese neue Blog-Rubrik ist ein Versuch. Eine Art Begriffs-Filter.

Zum Auftakt also der Fall Deniz Yücel, eine schaurige Steigerung der Causa Böhmermann. War der Angriff auf den Comedian letztes Jahr noch Wortgefecht, wird der türkisch-deutschen Journalist jetzt körperlich angegriffen: Er sitzt im Knast.

Und was hat das jetzt mit Medienkompetenz zu tun?

Ziemlich viel, wenn auch erst auf den zweiten Blick. Dann zeigt das Beispiel Yücel: Die juristische Einschüchterung von Journalisten/innen in der Türkei wirft ein grelles Licht auf die eher unbeleuchtete Seite der Medienkompetenz: Das Dürfen.

Grob betrachtet, lassen sich die vielen, vielen Definitionen von Medienkompetenz in zwei Körbe werfen – Befähigung und Befugnis. Über das Erstere diskutieren wir ebenso häufig wie heftig. Smartphones im Unterricht sind da gerade in. Wichtiges Thema, kein Zweifel. Vor allem dann, wenn es aus der rein pädagogischen Ecke hinauskäme.

Aber Können erfordert eben nicht nur, das Verstehen oder Machen zu trainieren, sondern auch das Dürfen zu sichern. Da landen wir sofort auf dem öden Feld der Regulierung und Legitimierung. Nur ist das leider entscheidend: Welche Kompetenzen billigen wir den Bürger/innen zu, welche den Social Media-Plattformen, welche dem Staat? Welches “wir” überhaupt?

Der erste, achtsame Schritt in diese Richtung der Medienkompetenz ist, sich für Medienkompetenz-Überschreitung zu sensibilisieren. Recep Erdogan geht – indem er den türkischen Justizapparat in diese Richtung lenkt – ganz bewusst zu weit. Mit dem Kriminalisieren von Kritik als Beleidigung und Beihilfe zum Terror weitet er seine Befugnisse derart aus, dass für freie Medien keine mehr übrigbleiben.

Destruktive Angriffe auf eine gedeihliche gesellschaftliche Zukunft. So einfach ist das. Und so naheliegend, dass man es oft übersieht. Deshalb ist der öffentliche Aufruhr gegen die Behandlung Yücels so wichtig, konkret und generell. Denn das Prinzip der publizistischen Komptenzbeschneidung kennen sämtliche Autoritären, von Putin bis Orban. Auch Donald Trump träte man nicht allzu nahe, wenn man ihn in diese Riege einreihte.

Aber wenn Ihnen, liebe Nutzer/innen, meine Begriffsgymnastik zum Thema Medienkompetenz zu anstrengend ist, habe ich dafür natürlichbedauerndes Verständnis. Wir können es auch auf eine kurze Kompromiss-Formel bringen:

Demokratische Medienkompetenz = Free Deniz!

Ihre Meinung ist uns wichtig

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